Kleingartenlatein
 

Jeder Kleingärtner hat den festen Glauben, 

er hat die schönste aller Gartenlauben.

Natürlich hat er auch die größten Tomaten, 

die müssen zwei Mann vom Stock wegtragen.

Auch die längsten Gurken hat Jeder, 

da langt nicht einmal ein Doppelmeter.

Den Sellerie muss man mit dem Spaten ernten, 

denn es ist der dickste zwischen Flensburg und Kärnten. 

Für die Bohnen, in Stangen und in Busch, 

bläst die Jury einen dreifachen Tusch.

„So groß wie Tomaten sind unsere Radiesel“, 

das sagt nebenan die Nachbars-Liesel.

Mit einem Container, als großen Kübel, 

erntet man: Lauch, Rettich und Riesenzwiebel.

So geht`s auch mit Kürbis, Kohlrabi und rote Rüben, 

das sind nackte Tatsachen, wer wird da schon lügen?



Mannshoher Sellerie und schwellkopfgroßer Salat 

sowie einen Wald von zartem und grünen Spinat. 

So lässt er sein Traumgemüse wachsen., 

nun fängt er über das Obst an zu flachsen. 

Er legt größten wert auf supergroße Quitten, 

nicht aber auf Raupen, Blattläuse und Wicken.

Stachel-, Him-,Brom- und Johannisbeeren, 

werden pfirsichgroß, so tut man hören.

Zum Erdbeerpflücken braucht er sogar eine Leiter, 

so spinnt er sein Kleingarten – Latein emsig weiter.

Seinen haushohen Rhabarber benutzt er als Pergola 

und singt darin sein fröhliches Tralala.

Man staunt, wie bringt er dies alles zu Werke, 

kein Wunder, es helfen ihm dabei die Gartenzwerge.

Man kann nur noch zuhören und Bauklötzer staunen, 

sieht man die kiloschweren Kirschen und Pflaumen.

Äpfel und Birnen sind fast nicht zu tragen,

ach muss sich so ein Kleingärtner plagen.

Aber nicht nur auf Obst und Gemüse ist er stolz,

auch auf Blumen, Stauden sowie Koniferen aus edlem Holz.

Ob Freesien, Lupinen, Tymian oder Rittersporn,

oder Maiglöckchen, Stechpalme, Polyanther, Feuerdorn,

Steinkraut, Astern, Stiefmütterchen und Farn,

Primel, Liguster, Blautanne sowie auch Enzian.

Und weiter schreibt des Kleingärtners Feder,

Wacholder, Rhododendron und Atlas-Zeder,

Hortensie, Forsythien, Ginster, Goldregen und Nelken,

die ganzjährig blühen, und niemals welken.

Weiter geht`s mit Skimmia,Ahorn, verschiedene Reben,

gefüllter Flieder in blau und weiß, was kann es schöneres geben.

Akelei, Gladiolen, Begonien, Dahlien und Erika,

dazu Efeu, Knöterich, Lorbeer, Potentilla,

nicht vergessen Jasmin, Weigelie, Chrysanthemen,

und dann die Königin Rose, eine Blume zum Versöhnen.

Azaleen, Schleierkraut, Geranien, Blaukissen,

Distel, Wolfsmilch, Fuchsien – das muss man alles wissen.

Es fehlt noch vieles, doch wer weiß all das?

Zum Beispiel: Margeriten, Sonnenblumen und Pampasgras.

All diese herrlichen Pflanzen und Blumen

Gedeihen bei ihm einzigartig, mit mächtigem Volumen.

Sein größtes Geheimnis ist aber der Komposthaufen,

man kann ihn „das Labor des Kleingärtners“ taufen,

denn dort entsteht der biologische „Wunderdünger“,

da werden sogar alte Knochen jünger,

aber dieser Ort ist heilig und für jeden tabu,

doch der Nachbar schaut mit demFernglas zu.

Auch der will haben solche dicken Brummer,

schließlich ist auch er kein Dummer.

So haben nach Jäger und Fischer auch die Kleingärtner ihr Latein

Das schrieb Ferdinand Dewald im Verein Süd, aus Mannheim.